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Freitag, 3. Dezember 2004

Sonstiges

Deutsche Leitkultur: Minderheitensprachen im Kindergarten verboten?

Welche Blüten der derzeitige Leitkulturschock unter Christdemokraten treibt, lässt sich schön an einer Bundesratsinitiative zur Änderung des SGB VIII erkennen. In eine Bestimmung über die Genehmigung von Kinder- und Jugendbetreuungseinrichtungen soll nach dem Willen des Bundesrates unter anderem folgender Passus aufgenommen werden:

"Die Erlaubnis ist zu versagen, wenn Zweifel an einer der Integration von Kindern und Jugendlichen in Staat und Gesellschaft dienenden Ausrichtung bestehen. Dies ist insbesondere dann anzunehmen, wenn (...) 2. die Erziehung und Betreuung nicht überwiegend in gängiger deutscher Sprache stattfindet, (...)"

Ein sorbischsprachiger Kindergarten in der Lausitz wäre demnach ebensowenig genehmigungsfähig wie ein friesischsprachiger im Saterland. Und angehende Erzieher sollten vielleicht schon mal anfangen, die deutsche Standardbühnenlautung einzuüben. Es könnte sonst ja sein, dass ihr Deutsch nicht "gängig" im Sinne von Herrn Koch und Konsorten ist.

Falls das alles nicht so gemeint ist und doch nur die bösen Imame mit ihren Geheimsprachen (die man im übrigen, werte Christdemokraten, durchaus bei urdeutschen Beamten auf Lebenszeit erlernen kann, wenn man sie unbedingt verstehen will) getroffen werden sollen: Es macht die Sache nicht besser, wenn man vor lauter abendländischem Aktionismus nicht mehr aufpasst, was man da eigentlich gerade beantragt. Aber Leuten, die Jugendeinrichtungen besondere Staatsnähe vorschreiben wollen, traue ich eigentlich auch sonst alles - außer Gutem - zu.

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